Nichtzahler sorgen für Beitragserhöhungen

06.12.2011 - Immer mehr privat Krankenversicherte sind nicht mehr in der Lage, ihre Versicherungsbeiträge zu bezahlen. Für die Versicherer bedeutet das massive Einnahmeverluste – aber auch für die übrigen Versicherten bleiben die Zahlungsausfälle nicht ohne Folgen: Ihre Beiträge steigen.


Nichtzahler sorgen für Beitragserhöhungen

Zahlungsausfälle summieren sich auf 554 Millionen Euro

Nachdem der Gesetzgeber durch eine Gesetzesänderung dafür gesorgt hat, dass die privaten Krankenversicherer seit dem Jahr 2009 nicht zahlende Kunden nicht mehr einfach kündigen dürfen, entwickelte sich in der Branche ein wachsendes Problem: Inzwischen gibt es über 140.000 privat Versicherte, die ihre Beträge über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten nicht bezahlt haben. Die Ausfälle erreichen beträchtliche Größenordnungen: Über eine halbe Milliarde Euro fehlen durch Nichtzahler in den Kassen der privaten Krankenversicherungsunternehmen. Seit Mitte 2010 haben sich die Verluste durch nicht zahlende Versicherte damit nahezu verdoppelt. Etliche Versicherer reagieren mit Beitragsanpassungen.

Billigtarife gescheitert

So haben sich viele Versicherungsunternehmen, darunter die Central Krankenversicherung und die DKV, aus dem Markt der Billigtarife verabschiedet. Noch bis vor Kurzem hatten die Gesellschaften aggressiv Neukundenwerbung über den Preis betrieben, doch aktuelle Untersuchungen belegen, dass es gerade die Kunden in den Einsteigertarifen sind, die nicht mehr in der Lage sind, ihre Beiträge zu bezahlen. Als Folge haben viele Versicherer gerade im Bereich der Einsteigertarife die Beiträge massiv angehoben. Das bestätigte auch Michael Franke vom Beratungsunternehmen Franke und Bornberg gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“: „Bei elf Gesellschaften verzeichnen wir in diesem Segment Erhöhungen zwischen elf und 23 Prozent bei den Neugeschäftsbeiträgen.“

Drastische Beitragserhöhungen

Und nicht nur die neu abgeschlossenen Krankenversicherungen sind betroffen: Um die massiven Beitragsausfälle ausgleichen zu können, werden auch die Beiträge der Bestandskunden drastisch angehoben. Von zahlreichen Gesellschaften sind kommende Prämienanpassungen bereits bekannt. Teilweise liegen die Beitragsanhebungen im zweistelligen Prozentbereich. Besonders den Versicherten bei der Central dürfte eine unangenehme Überraschung bevorstehen: Die Beitragserhöhungen sollen dort teilweise bis zu 40 Prozent ausmachen. Im Durchschnitt werden Beitragssteigerungen von etwa sieben Prozent erwartet. Ein Lichtblick bleibt den Kunden der privaten Krankenversicherer immerhin: Er hat jederzeit das Recht innerhalb der Versicherungsgesellschaft in einen günstigeren Tarif zu wechseln - und das bei voller Anrechnung der Altersrückstellungen.


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