Gesundheitsweiser fordert neue Versorgungsprojekte

21.09.2012 - Der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, Professor Ferdinand Gerlach, fordert die gesetzlichen Krankenkassen dazu auf, die Einführung einer einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung in der ambulanten und stationären Versorgung voranzutreiben und damit neue Patientenversorgungsmodelle zuzulassen. Bislang, so Gerlach, scheitern innovative Ansätze vor allem an der ablehnenden Haltung des Gesetzgebers.


Gesundheitsweiser fordert neue Versorgungsprojekte

Mangelnde Zusammenarbeit bei Patientenversorgung
Nach wie vor herrscht im deutschen Gesundheitswesen eine strikte Trennung in verschiedene, medizinische Sektoren. Patienten werden im Krankheitsfalle nicht nur von einem Arzt, sondern oft von mehreren medizinischen Fachkräften betreut. So folgt auf die Diagnostik in einer Hausarztpraxis meist eine fachärztliche Versorgung und eine anschließende Behandlung durch einen spezialisierten Arzt im Krankenhaus, woran sich oft noch eine Rehabilitationsmaßnahme anschließt. Diese verschiedenen, medizinischen Bereiche besitzen jeweils eigene Zuständigkeiten, Regeln und Finanzierungsformen, welche eine optimale übergreifende Versorgung des Patienten oft unnötig erschweren. Um diesen Missstand zu beheben hat der Gesetzgeber im Juli 2008 festgelegt, dass einrichtungsübergreifende, an der Ergebnisqualität ausgerichtete Maßnahmen grundsätzlich sektorenübergreifend zugelassen werden müssen. Mit dieser Regelung sollen einheitliche Qualitätsstandards in der ambulanten und stationären Versorgung gewährleistet werden. Die Durchführung dieser Richtlinie gestaltet sich in der Praxis jedoch schwierig. Dies liegt vor allem daran, dass Selektivverträge, die medizinische Versorgungsmaßnahmen außerhalb der üblichen Regelversorgung gewährleisten, vom Gesetzgeber aufgrund möglicher ausufernden Kosten verhindert werden. 
 
Neues Versorgungsmodell verspricht Abhilfe
Um die Trennung der Bereiche aufzuheben und die "Mauer zwischen ambulant tätigen Kliniken und niedergelassenen Fachärzten einzureißen" sei es laut Professor Ferdinand Gerlach, dem Vorsitzenden des Sachverständigenrates zur Begutachtung im Gesundheitswesen, notwendig, neue Versorgungsmodelle anzustreben und in diese zu investieren. Ein solches zukunftsfähiges Modell ist aus seiner Sicht die sogenannte spezialfachärztliche Versorgung schwer erkrankter Patienten. Deren ambulante Behandlung in Krankenhäusern gestaltet sich aufgrund der mangelnden Zusammenarbeit von Arztpraxen und Krankenhäusern bisher schwierig. Das neue Modell sieht nun vor, dass niedergelassene Fachärzte und Klinikärzte komplexe, schwer therapierbare Erkrankungen ambulant behandeln können - und zwar zu den gleichen Konditionen sowie Zulassungs- und Qualitätsbedingungen. Möglich und bezahlbar wird dieses Modell aus der Sicht Gerlachs jedoch nur durch den Ausbau der selektivvertraglichen Patientenversorgung. Die spezialfachärztliche Versorgung, so Gerlach, wäre ein bedeutender Ansatz dafür, einen sektorübergreifenden und patientenorientierten Qualitätswettbewerb "an der Schnittsstelle zwischen ambulanter und stationärer Gesundheitsversorgung" zu schaffen.

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