Deutliche Zunahme an Pflegefällen erwartet

07.12.2012 - Die Zahl der Bundesbürger, die einen Pflegefall in ihrer Familie haben, wird laut einer aktuellen Studie der R+V-Versicherung in den kommenden zehn Jahren von zehn auf 27 Millionen steigen. Derzeit betreuen bereits fast 60 Prozent der Menschen ihre pflegebedürftigen Angehörigen selbst. Der Erhebung zufolge könnte sich die starke Zunahme der Pflegefälle in naher Zukunft zu einer erheblichen Belastung für Angehörige und das Sozialsystem entwickeln.


Deutliche Zunahme an Pflegefällen erwartet

Frauen stärker betroffen

Aktuell, so eine Studie der R+V-Versicherung, haben bereits zehn Millionen Deutsche einen Pflegefall in der Familie. 2022, so die Erhebung, könnte diese Zahl um mehr als die Hälfte auf rund 27 Millionen ansteigen. Über 60 Prozent der Menschen betreuen ihre pflegebedürftigen Angehörigen bereits selbst. Frauen werden dabei weitaus häufiger mit dem Thema Pflege konfrontiert als Männer – sowohl in der Rolle der Pflegenden als auch der Pflegebedürftigen. Insgesamt zwei Drittel aller Pflegenden sind weiblich. Meist üben sie keinen Beruf aus: Die gerade einmal 42 Prozent der Frauen, die sich der Pflege von Angehörigen widmen und gleichzeitig einer Erwerbstätigkeit nachgehen, haben in aller Regel nur eine Teilzeitstelle. Bei vier von zehn Frauen wirkt sich die Pflegetätigkeit erheblich auf ihre Partnerschaft aus. Mehr als 60 Prozent der pflegenden Frauen fühlten sich durch ihre Pflegetätigkeit stark oder sogar sehr stark psychisch belastet. Mehr als ein Drittel der befragten Frauen klagte darüber, dass die Pflegetätigkeit auch die Beziehung zum Ehepartner belaste. Knapp zwei Drittel der Umfrageteilnehmerinnen wünschten sich daher eine bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf und mehr Unterstützung im Alltag. Eine deutliche Mehrheit der Frauen sieht hierbei die staatlichen Sozialsicherungssysteme verstärkt in der Pflicht. Über die Hälfte der Befragten sprach sich hingegen dafür aus, dass die Unternehmen mehr für ihre von einem familiären Pflegefall betroffenen Mitarbeiter tun müssten.

Private Vorsorge wenig verbreitet

Die Studie befasste sich unter anderem auch mit den finanziellen Aspekten eines Pflegefalles: So rechnet rund ein Drittel der Befragten damit, künftig finanzielle Einschränkungen durch die Pflegekosten hinnehmen zu müssen. Bei 34 Prozent der Bürger, die in Kürze erwarten, mit einem Pflegefall in der eigenen Familie konfrontiert zu werden, wollen laut der Studie zur Finanzierung der Pflege auf eigene Ersparnisse zurückgreifen. Weitere 61 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass das Vermögen der Pflegebedürftigen ausreicht, um die Kosten abzudecken. Bezüglich der finanziellen Vorsorge für den Pflegefall gehen die Vorstellungen der Befragten und die Realität weit auseinander. Etwa 23 Prozent der Umfrageteilnehmer glauben, über eine private Pflegezusatzversicherung zu verfügen. Tatsächlich haben jedoch gerade einmal rund zwei Prozent der Bundesbürger bislang tatsächlich eine solche Versicherung abgeschlossen. Dies, so die Studie, könnte erhebliche Auswirkungen auf das Sozialversicherungssystem in Deutschland haben.


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