Betriebliche Krankenversicherung als Mitarbeiterbonus

23.09.2011 - Immer mehr Konzerne gehen dazu über, im Kampf um gut ausgebildete Fachkräfte, diesen eine betriebliche Krankenversicherung anzubieten. Sie reagieren damit auf eine Umfrage der Axa, die ergab, dass 59 Prozent der Arbeitnehmer eine derartige Zusatzpolice zur normalen Krankenversicherung, die es ihnen ermöglicht, beim Arzt wie ein Privatpatient behandelt zu werden, attraktiver als beispielsweise einen Dienstwagen finden.


Betriebliche Krankenversicherung als Mitarbeiterbonus

DAX-Konzerne federführend – Mittelstand zögerlich

Insbesondere unter den DAX-Konzernen ist die betriebliche Krankenversicherung als Mittel der Personalwerbung- und Bindung demnach mittlerweile an der Tagesordnung. Bei den mittelständischen Unternehmen herrsche diesbezüglich jedoch noch Nachholbedarf, erläutert Matthias Becker, der als Krankenversicherungsexperte für die Berater Boston Consulting Group tätig ist, im Gespräch mit der Financial Times Deutschland. Gerade einmal fünfzehn bis zwanzig Prozent der großen mittelständischen Betriebe würden derzeit ein solches Angebot bieten. Dabei erachteten „weit mehr als 50 Prozent“ der zuständigen Personalleiter dieses Thema als relevant. Die Nachfrage von Möglichkeiten für eine betriebliche Krankenversicherung habe jedoch in den letzten Jahren merklich angezogen. Bislang reagiere aber auch die Versicherungsbranche zu zögerlich, erklärt Becker.

PKV entdecken das neue Geschäftsfeld nur langsam

Die Privaten Krankenversicherungen haben dieses neue Geschäftsfeld jedoch lange nicht für sich entdeckt. Nur zögerlich bieten die Versicherer entsprechende Policen für die Unternehmen an. Mit der Allianz, die im Juli ein entsprechendes Angebot als „Pilotprojekt“ ins Programm aufgenommen hat, bieten derzeit sieben bekannte private Versicherer eine derartige Dienstleistung. Diese sind allerdings davon überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Man habe es mit einem „richtigen Wachstumsfeld“ zu tun, schildert beispielsweise Michael Kurtenbach, der als Vorstandsvorsitzender für Gothaer Krankenversicherung tätig ist.

Betriebliche Krankenversicherung ist zukunftsweisend

Die Gothaer hat Pionierarbeit bei der Entwicklung unterschiedlicher Modelle für die betriebliche Krankenversicherung geleistet. Ziel sei dabei „eine gute Risikomischung“ gewesen, erklärt der Vorstandschef. Man habe Modelle erarbeitet, bei denen der Arbeitgeber die Prämien zahle, in anderen komme der Arbeitnehmer für die Kosten auf und in dritten zahlten beide gemeinsam die Krankenversicherung. Von besonderem Interesse sei jedoch auch das Modell, in dem der Arbeitgeber für ein Jahr für die Kosten aufkomme und anschließend den Arbeitnehmer vor die Entscheidung stelle, ob dieser die Versicherung weiterführen oder zukünftig auf sie verzichten wolle. Im Pilotprojekt habe kaum ein Arbeitnehmer die Police nach Ablauf der Jahresfrist gekündigt, schildert Kurtenbach. Alle Anbieter sind überzeugt, dass die betrieblichen Krankenversicherungen in den kommenden Jahren deutlich zunehmen werden.


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