Ärzte erhalten neue Pauschale für Patientengespräche

04.07.2013 - In den letzten Jahren wurde immer wieder kritisiert, dass Hausärzte sich zu wenig Zeit für ausführliche Gespräche mit ihren Patienten nehmen. Dies soll sich nun ändern: Von Oktober an bekommen Mediziner das Patientengespräch bezahlt. Mit dieser Maßnahme wollen die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) vor allem auch dem drohenden Hausärztemangel entgegenwirken.


Pauschale für Arzt-Patient-Gespräch

Nach monatelangen Verhandlungen haben sich der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) kürzlich darauf geeinigt, ausführliche Arzt-Patienten-Gespräche ab dem 1. Oktober neu zu vergüten. Künftig sollen Hausärzte die Gespräche abrechnen können. Pro Quartal erhält der Mediziner zudem wie bislang für jeden gesetzlich Versicherten pauschal 35 Euro. Außerdem werden die Quartalspauschalen entsprechend dem durchschnittlichen Betreuungsbedarf der Patienten nach Altersgruppen gegliedert. Dadurch soll dem drohenden Mangel an Hausärzten entgegengewirkt und der Beruf für den Nachwuchs wieder interessanter werden. Bereits im vergangenen Jahr hatten GKV und KBV beschlossen, die Zahlungen für die Kassenärzte im Jahr 2013 um bis zu 1,27 Milliarden Euro zu erhöhen. Dabei sollten allein 250 Millionen Euro in die Grundversorgung fließen. Studien zufolge betreut ein Hausarzt im Schnitt 243 Patienten pro Woche. Die durchschnittliche Gesprächsdauer pro Patient beträgt dabei 7,8 Minuten. Im EU-Vergleich gehen Deutsche jedoch auch recht häufig zum Arzt: Während die Menschen in Belgien, Polen und Dänemark durchschnittlich nur sieben Mal im Jahr einen Mediziner aufsuchen, tun dies die Bundesbürger etwa 17 Mal.

Mehr Zeit für Kinder und Senioren

Deutlich erhöht werden ab Oktober auch die vierteljährlichen Versichertenpauschalen für Kinder unter fünf Jahren und Senioren ab 76 Jahren, da bei diesen ein erhöhter Betreuungsaufwand besteht. Für die Pflege von Alten, Kindern und unheilbar Kranken sollen insgesamt 124 Millionen Euro zusätzlich bereit gestellt werden. Durch die Staffelung in fünf statt wie bisher nur drei Gruppen soll dabei auch eine bessere Differenzierung der Patienten entsprechend des tatsächlichen Betreuungsaufwands möglich sein. Stehen ausführliche Beratungsgespräche an, weil ein Patient an einer lebensverändernden Erkrankung leidet, können diese bei allen Patienten mit neun Euro abgerechnet werden, sofern sie länger als zehn Minuten dauern. Die Betreuung eines Diabetikers soll beispielsweise künftig mit 14 Euro pro Quartal zusätzlich vergütet werden. Neu ist auch, dass Ärzte Zuschläge für die Behandlung geriatrischer Leiden, chronischer Schmerzen sowie für sozialpädiatrische Leistungen erhalten können. Ulrich Weigel, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands, bezweifelt allerdings die Wirksamkeit dieser Maßnahmen, da letztendlich keine weiteren Mittel bereitgestellt, sondern nur bereits vorhandene Gelder umverteilt würden. Er forderte die Politik auf, mehr in die Prävention anstatt in die Behandlung von Krankheiten zu investieren.


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