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Umfrage: Privatpatienten bei Arztterminen bevorzugt


Umfrage: Privatpatienten bei Arztterminen bevorzugt
12.01.2012
Wer bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert ist, wartet länger auf einen Termin beim Facharzt – mitunter sogar erheblich. Das ist das Ergebnis einer telefonischen Umfrage, die die Grünen-Politikerinnen Bärbel Höhn und Maria Klein-Schmeink in Auftrag gegeben haben. Die Grünen bemängeln die Praxis der Ärzte, durch die bei der Terminvergabe die besser vergüteten Privatpatienten bevorzugt würden.

Kassenpatienten warten bundesweit länger

In 350 Facharztpraxen riefen die Tester an und gaben sich dabei einmal als Kassenpatient und einmal als Privatpatient aus. Ziel der Anrufe war die Vereinbarung eines Arzttermins. Dabei machten die Tester die Erfahrung, dass sie in der Rolle des gesetzlich versicherten Kassenpatienten eine erheblich längere Wartezeit in Kauf nehmen mussten, ehe sie ihren Arzt zu Gesicht bekamen. Im Schnitt waren es 23 Tage, die die gesetzlich Versicherten länger auf einen Arzttermin warten mussten als die Privatpatienten. Sowohl regional als auch innerhalb der Facharztgruppen gab es allerdings deutliche Unterschiede.

Wartezeiten schwanken je nach Facharzt und Region

Regional betrachtet war die Bevorzugung der Privatpatienten am deutlichsten in Bonn zu spüren, wo Privatpatienten ganze 45 Tage eher einen Termin erhielten als die Kassenpatienten. Besonders lange warten mussten gesetzlich Versicherte auch in Köln und Aachen, wo privat Versicherte 41 beziehungsweise 33 Tage eher zum Arzt vorgelassen wurden. In Wuppertal dagegen fiel der Unterschied am geringsten aus: Hier hatten die privat Versicherten nur einen Vorsprung von 10 Tagen. Dabei zeigte sich bei den Orthopäden die Ungleichbehandlung noch am wenigsten: Bei ihnen warteten Kassenpatienten nur 12 Tage länger als ihre privat versicherten Leidensgenossen. Bei den Augenärzten beträgt die zusätzliche Wartezeit auf einen Termin schon 19 Tage, die bei den Kardiologen einen traurigen Spitzenwert von 38 Tagen erreicht.

Bürgerversicherung soll Benachteiligung beenden

Das Ergebnis der telefonischen Umfrage ist Wasser auf die Mühlen der Grünen. Die nämlich fordern lange schon die Einführung einer Bürgerversicherung. Identische Bedingungen bei privaten und gesetzlichen Kassen würden in den Augen der Grünen dafür sorgen, dass es für Ärzte keine finanziellen Verlockungen mehr gäbe – mit dem Ergebnis, dass Versicherte gesetzlicher Krankenkassen nicht mehr benachteiligt würden.

(fs)



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