Umfrage: Privatpatienten bei Arztterminen bevorzugt
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In 350 Facharztpraxen riefen die Tester an und gaben sich dabei einmal als Kassenpatient und einmal als Privatpatient aus. Ziel der Anrufe war die Vereinbarung eines Arzttermins. Dabei machten die Tester die Erfahrung, dass sie in der Rolle des gesetzlich versicherten Kassenpatienten eine erheblich längere Wartezeit in Kauf nehmen mussten, ehe sie ihren Arzt zu Gesicht bekamen. Im Schnitt waren es 23 Tage, die die gesetzlich Versicherten länger auf einen Arzttermin warten mussten als die Privatpatienten. Sowohl regional als auch innerhalb der Facharztgruppen gab es allerdings deutliche Unterschiede.
Regional betrachtet war die Bevorzugung der Privatpatienten am deutlichsten in Bonn zu spüren, wo Privatpatienten ganze 45 Tage eher einen Termin erhielten als die Kassenpatienten. Besonders lange warten mussten gesetzlich Versicherte auch in Köln und Aachen, wo privat Versicherte 41 beziehungsweise 33 Tage eher zum Arzt vorgelassen wurden. In Wuppertal dagegen fiel der Unterschied am geringsten aus: Hier hatten die privat Versicherten nur einen Vorsprung von 10 Tagen. Dabei zeigte sich bei den Orthopäden die Ungleichbehandlung noch am wenigsten: Bei ihnen warteten Kassenpatienten nur 12 Tage länger als ihre privat versicherten Leidensgenossen. Bei den Augenärzten beträgt die zusätzliche Wartezeit auf einen Termin schon 19 Tage, die bei den Kardiologen einen traurigen Spitzenwert von 38 Tagen erreicht.
Das Ergebnis der telefonischen Umfrage ist Wasser auf die Mühlen der Grünen. Die nämlich fordern lange schon die Einführung einer Bürgerversicherung. Identische Bedingungen bei privaten und gesetzlichen Kassen würden in den Augen der Grünen dafür sorgen, dass es für Ärzte keine finanziellen Verlockungen mehr gäbe – mit dem Ergebnis, dass Versicherte gesetzlicher Krankenkassen nicht mehr benachteiligt würden.
(fs)
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