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Studie: Defizite bei deutschem Gesundheitssystem


Studie: Defizite bei deutschem Gesundheitssystem
01.08.2012
Das deutsche Gesundheitssystem weist erhebliche Schwächen auf. Im europäischen Vergleich ist es vom 6. auf den 14. Rang zurückgefallen. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie des Euro Health Consumer Index, die die Gesundheitssysteme von 34 Ländern aus der Perspektive der Patienten verglichen hat.

Defizite im internationalen Vergleich

Folgt man den Analysen des Euro Health Consumer Index, so bewegt sich das deutsche Gesundheitssystem nur noch auf dem Niveau von Tschechien oder Irland. Dies ist nicht nur damit zu erklären, dass andere Länder aufgeholt haben. Vielmehr deckte die vom schwedischen Gremium Health Consumer Powerhouse durchgeführte Studie erhebliche Mängel bei der Patientenversorgung auf. Nach dem deutschen Sozialmediziner Ulrich Keil, der an der Untersuchung mitwirkte, ist vor allem die Häufigkeit von Krankenhausinfektionen in Deutschland bedenklich. Jedes Jahr sterben etwa 30.000 Menschen an Krankenhauskeimen, die auf Hygienemängel zurückzuführen sind.

Mängel bei der Gesundheitsaufklärung

Nachholbedarf besteht laut Keil ebenso im Bereich der Patienten- und Gesundheitsaufklärung. So ließ das Wissen der Bevölkerung über die Wirkungsweise von Antibiotika zu wünschen übrig. Vielen Deutschen war beispielsweise unbekannt, dass Antibiotika nicht gegen Viren, sondern nur gegen Bakterien eingesetzt werden. Das könne zu einer leichtfertigen Einnahme führen. In der Tat werden Antibiotika in Deutschland deutlich häufiger verschrieben und eingesetzt als in anderen Ländern. In den Niederlanden, dem Spitzenreiter der Studie des Euro Health Consumer Index, ist der Umgang mit Antibiotika deutlich zurückhaltender. Auch im Bereich der Prävention gibt es noch einiges zu tun. So rauchen z.B. in Deutschland 30 Prozent der Erwachsenen, während es in Schweden nur 10 bis 15 Prozent sind.

Krankenhäuser profitieren auf Kosten der Patienten

Ein weiteres Ergebnis der Vergleichsstudie ist, dass die deutschen Krankenhäuser häufig Behandlungsmethoden und -orte wählen, die ihnen wirtschaftlich nutzen, aber nicht unbedingt optimal für das Patientenwohl sind. Anders als in Schweden ist in Deutschland beispielsweise die Heimdialyse unüblich. Dabei sei sie, so Keil, schonender, weil der Patient in seinem sozialen Umfeld bleiben könne. Auch für die Krankenkassen wäre die Heimdialyse günstiger. Ähnlich verhält es sich mit der hohen Zahl der Kaiserschnittgeburten in Deutschland, die nicht immer durch medizinische Notwendigkeit zustande komme, sondern weil die Krankenhäuser davon profitieren. Die Studie des Euro Health Consumer Index zeigt, dass Finanzbedarf und Qualität im deutschen Gesundheitssystem zu weit auseinander klaffen. Als eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt erreicht Deutschland nur einen Mittelfeldplatz.

(lh)



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