Nichtzahlertarif soll Beitragsausfälle abmildern
Foto: kzenon iStockphoto
142.800 säumige Beitragszahler machen den privaten Krankenversicherern das Leben schwer: Die Unternehmen der Privaten Krankenversicherung hatten durch sie einen Verlust von 554 Millionen Euro zu verkraften – in den ersten neun Monaten des Jahres. Diese Zahlen nannte die Debeka, die selbst etwa 6745 Nichtzahler und somit fast 25 Millionen Euro Beitragsschulden hat. Die Nichtzahlerquote ist bei der Debeka unterdurchschnittlich: Dort ist gut ein Viertel aller privat Vollversicherten Kunde. Die steigende Anzahl der Zahlungsausfälle hat ihren Grund in einer Gesetzesänderung. Seit in Berlin die Versicherungspflicht eingeführt wurde, ist es den privaten Krankenversicherern nicht mehr möglich, säumige Beitragszahler zu kündigen. Das trifft die Unternehmen doppelt: Nicht nur, dass die Beitragseinnahmen ausbleiben – die Versicherer müssen für die Nichtzahler auch weiter Leistungen erbringen und Alterungsrückstellungen aufbauen.
Über eine andere Lösung verhandelt gegenwärtig der PKV-Verband mit einigen Bundesministerien und sieht sich dabei auf einem guten Weg: ein neuer Spezialtarif für Nichtzahler. Dieser soll als eine Art Untertarif des Basistarifs gestaltet werden und nur noch Notfallbehandlungen abdecken. Entsprechend der geringeren Kosten für Leistungsausgaben könnte dieser Spezialtarif mit geringeren Beiträgen kalkuliert werden. Das würde die Bilanzen der Unternehmen erheblich entlasten. Die Chancen dafür scheinen nicht schlecht zu stehen: der Vorsitzende des PKV-Verbandes Reinhold Schulte sieht sich auf dem Weg der Einigung mit der Politik. Die Unternehmen sind optimistisch, den neuen Tarif, der nur noch Notfall-Behandlungen abdecken soll, bald einführen zu können.
(ck)
Gute Konjunkturlage: Sozialversicherungsbeiträge könnten deutlich sinken
Hohe Überschüsse: Krankenkassen sollen künftig Prämien ausschütten
PKV will Alterungsrückstellungen flexibler einsetzen