Krankenkassen fordern Operationszertifikate
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Eine jüngst veröffentlichte Studie des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen zeigt, dass die Anzahl der in Krankenhäusern durchgeführten Operationen ohne medizinisch notwendige Indikation kontinuierlich zunimmt. Besonders bei Hüft- und Knieoperationen ist eine alarmierende Zunahme zu verzeichnen. Mit dem demografischen Wandel sei der Anstieg an Operationen laut Studie nicht zu erklären - vielmehr sei diese Steigerung ökonomischen Motiven der einzelnen Kliniken geschuldet. Bislang verdient ein Krankenhaus mit jeder weiteren Operation zusätzlich Geld. Die bereits jetzt bestehende Regelung, dass ein Krankenhaus bei Überschreitung einer gewissen vereinbarten Menge an medizinischen Eingriffen pro Leistung geringer entlohnt wird, scheint nicht ausreichend zu sein, um diesem Trend entgegenzuwirken.
Die Krankenkassen fordern daher, die Anzahl der Operationen künftig mit Hilfe eines Zertifikate-Systems zu regulieren. So sollen Operationen, die medizinisch nicht notwendig sind, vermieden werden. Seinen Ursprung hat das Zertifikate-System in der Umweltpolitik. Energieerzeuger müssen, falls die CO-2-Menge, die in ihrem Betrieb ausgeschieden wird, eine gewisse Freimenge überschreitet, Zertifikate von anderen Unternehmen kaufen, die diese Freimenge wiederum unterschreiten. Nach diesem Vorbild soll das System auch in Kliniken angewendet werden: Krankenhäuser sollen verpflichtet werden, für ihre Mehrleistungen Zertifikate von anderen Kliniken zu kaufen, die ihr Budget nicht ausschöpften.
AOK-Vorstand Matthias Mohrmann ist überzeugt von diesem Ansatz. Die zusätzlichen Kosten für den Erwerb von Zertifikaten würden die Kliniken davon abhalten, Patienten zu nicht zwangsläufig notwendigen Operationen zu überreden. Außerdem könnten Kliniken mit einer geringeren Anzahl an Operationen ihren nicht genutzten Anteil an medizinischen Eingriffen in Form von Zertifikaten verkaufen und so zur Finanzierung nutzen. Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, wies den Vorschlag als "völligen Quatsch" zurück. Kliniken seien keine Industrieunternehmen. Außerdem würden die Krankenhäuser immer nach medizinischer Notwendigkeit und in ärztlicher Verantwortung handeln.
(sw)
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