Gesundheitswesen: Deutliche Einsparungen möglich

28.10.2013 - Im deutschen Gesundheitswesen ließe sich viel Geld sparen - das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Marktforschungsinstituts IMS Health. Vor allem in den Bereichen Therapietreue und Medikamentation könnten demnach Ausgaben vermieden werden.


Vermeidbare Ausgaben: 19 Milliarden Euro

Für die Untersuchung zu den Ausgaben im Gesundheitswesen hatte das Marktforschungsinstitut IMS Health verschiedene Studien und Krankheitskennzahlen aus dem Jahre 2011 ausgewertet. Dabei kamen die Studienautoren zu dem Ergebnis, dass insgesamt rund 19 Milliarden Euro weniger ausgegeben werden könnten. Das entspricht immerhin mehr als sechs Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben, die sich derzeit auf 294 Milliarden Euro belaufen. Laut Frank Wartenberg, Präsident Zentraleuropa von IMS Health, ist das ein großes Einsparpotenzial, das "unser Gesundheitssystem auf anderem Wege nur mit einer Fülle von Spargesetzen erreichen könnte, die letztlich nicht im Sinne einer guten Gesundheitsversorgung sein können."

Mangelnde Therapietreue führt zu Kosten

Eine Einsparmöglichkeit in Milliardenhöhe gibt es laut Studie vor allem in dem Bereich der Therapietreue. Viele Patienten nehmen die verschriebenen Medikamente nicht ordnungsgemäß ein, sie vergessen diese oder brechen die Behandlung eigenständig ab. Gerade bei chronischen Krankheiten wie Diabetes, Asthma oder Bluthochdruck nimmt durchschnittlich nur jeder zweite Betroffene die Medikamente wie verordnet ein. Dies führte nach Berechnungen von IMS Health zu knapp 13 Milliarden Euro Mehrausgaben im Jahr 2011. Auch falsch verordnete Arzneimittel sind ein erheblicher Kostenfaktor - IMS Health beziffert diese auf vermeidbare 1,8 Milliarden Euro.

AOK-Bundesverband zweifelt Studie an

Frank Wartenberg hält aufgrund der hohen Ausgaben spezielle IT-Systeme für notwendig, um Patienten besser einbinden und den Behandlungsprozess überwachen und steuern zu können. Uwe Deh, geschäftsführender Vorstand des AOK-Bundesverbandes, zweifelt indes die Zahlen an. Er verweist auf den Arzneiverordnungs-Report 2011, der ein Potenzial von 3,1 Milliarden Euro benannte. Doch auch diese Studie ist umstritten, so kritisiert die Pharmaindustrie regelmäßig die „zweifelhaften und intransparenten Methoden“ der Untersuchung.


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