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Fast jeder zweiten gesetzlichen Krankenkasse droht die Insolvenz


Fast jeder zweiten gesetzlichen Krankenkasse droht die Insolvenz
29.09.2011
Laut einem Bericht des Focus könnte die Verteilung der Gelder des Gesundheitsfonds ein Kassensterben in Deutschland auslösen. Die Fehlentwicklung könnte Experten zufolge die Hälfte aller Krankenkassen die Existenz kosten.

Wie das System funktionieren sollte

Im Jahr 2009 trat der von der Großen Koalition beschlossene Gesundheitsfonds in Kraft. Er funktioniert wie der Länderfinanzausgleich, bei dem finanzschwache Bundesländer von den wirtschaftlich starken Bundesländern unterstützt werden. Dies bedeutet, dass beim Gesundheitsfonds Krankenkassen, die durch ihre Mitgliederstruktur begünstigt sind und dadurch viele Einnahmen haben, Teile ihres Gewinn an die Krankenkassen abtreten müssen, die viele Mitglieder mit chronischen und schweren Erkrankungen haben. Die Aufgabe des Gesundheitsfonds besteht darin, den jeweiligen Krankenkassen ihre Gelder aus dem Finanzausgleich zuzuweisen. Durch den morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) wird bestimmt, für welche Krankheiten Geld aus dem Gesundheitsfonds an Krankenkassen zugeteilt wird. Dazu zählen unter anderem Hüftprobleme, AIDS, Diabetes und hoher Blutdruck. Auch für schwangere Mitglieder erhalten Krankenkassen Zuwendungen aus dem Gesundheitsfonds.

 

Die Probleme

Bei den betroffenen Krankheiten fängt für die Kritiker des Konzepts das Problem schon an. Sie kritisieren, dass der Gesundheitsfonds dafür sorgen könnte, dass man Krankenkassen den Anreiz auf präventive Maßnahmen entziehe. Sie werfen die Frage auf, warum eine Krankenkasse präventiv gegen hohen Blutdruck und Diabetes vorgehen sollte, wenn sie für erkrankte Mitglieder Geld aus dem Gesundheitsfonds erhält. Andere sehr schwere Krankheiten hingegen werden bisher überhaupt nicht vom Morbi-RSA beachtet. Da die Behandlungen für diese Erkrankungen dennoch oft sehr teuer sind, geraten besonders betroffene Krankenkassen ohne Zuwendungen aus dem Gesundheitsfonds in finanzielle Bedrängnis.
 

Die Konsequenzen

Diese Schwachstellen des Systems sorgen dafür, dass manche Krankenkassen zu wenig für ihren Bedarf erhalten, andere Krankenkassen aber mehr Gelder aus dem Gesundheitsfonds erhalten, als sie eigentlich bräuchten. Manche Krankenkassen erreichen einen Deckungsgrad von gerade mal 90% und geraten folglich in große finanzielle Bedrängnis. Mittlerweile wurde von Experten die Befürchtung geäußert, dass diesen Krankenkassen die Insolvenz droht. Als eine Möglichkeit, die Probleme zu lindern, wird die stärkere Berücksichtigung von besonders teuren Patienten bei der Verteilung der Gelder angesehen.
 

(rw)



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