Die Deutschen wünschen sich bessere Leistungen von der Pflegeversicherung
Die Deutschen wünschen sich bessere Leistungen von der Pflegeversicherung
Foto: alexraths istock
24.06.2011
Die Deutschen stehen einheitlich hinter der Pflegeversicherung, wünschen sich allerdings mehr Leistungen. Mehrere Umfragen sowohl privater Gesellschaften als auch von Wissenschaftlern der AOK bestätigen diesen Trend. Die Stiftung Warentest empfiehlt gesetzlich Versicherten schon lange eine private Zusatzpflegeversicherung.
Umfrage der privaten Versicherer
Die DEV Versicherungen führten im Sommer 2010 eine bundesweite, repräsentative Umfrage durch, die ergab, dass 84 Prozent aller Deutschen der Pflegeversicherung nicht sehr vertrauen. Die Leistungen wurden von 70 Prozent der Befragten als ungenügend bewertet. 40 Prozent sprachen sich sogar für eine Pflicht zur Zusatzpflegeversicherung aus. Von den 2,25 Millionen Pflegebedürftigen in der Bundesrepublik hat ein Fünftel das Rentenalter noch nicht erreicht. Schon im Jahr 2009 hatte die Stiftung Warentest darauf hingewiesen, dass angesichts der steigenden Zahlen der Pflegefälle eine Zusatzpflegeversicherung unerlässlich sei. Die Bundesregierung schätzt, dass im Jahr 2020 über 2,65 Millionen Deutsche pflegebedürftig sein könnten, 10 Jahre darauf sogar 3,1 Millionen. Das Risiko für die Pflegebedürftigkeit liegt gegenwärtig bei rund 4 Prozent der 60- bis 80-Jährigen, in der Altersgruppe darüber bei 28 Prozent. Die monatlichen Kosten für einen Platz in einem Pflegeheim belaufen sich momentan auf etwa 2.500 bis 3.500 Euro. Gegenwärtig werden etwa zwei Drittel der Pflegebedürftigen daheim versorgt, doch auch hier deckt die Versicherung für die meist vorliegenden Pflegestufen I oder II bei weitem nicht alle Kosten. Einen Großteil des finanziellen Aufwands trägt der Betroffene mit seinem Vermögen. Ist dies aufgebraucht, können auch Angehörige herangezogen werden. Nicht selten wird der Pflegefall letztendlich auch zum Sozialfall.
Die Ergebnisse der AOK-Wissenschaftler
Die AOK verfügt über ein Wissenschaftliches Institut, das sich vorwiegend um die Wirtschaftlichkeit der Gesundheitsversorgung kümmert. Das Institut wurde schon 1976 gegründet und forscht an den Grundlagen des Modells der gesetzlichen Krankenversicherung. Im Frühjahr 2011 führten die Wissenschaftler eine Befragung zur Pflegeversicherung durch und stellten fest, dass die Mehrheit der Menschen hinter der Solidargemeinschaft steht. Nur 12,8 Prozent sprachen sich klar gegen die Pflegeversicherung aus. Es wurden allerdings ausschließlich Versicherte der GKV befragt. Klar kritisiert wurde von den meisten Teilnehmern der Leistungsumfang der gesetzlichen Pflege. Viele Versicherte wünschen sich bessere Leistungen für Demenzkranke und eine Reform, die den Pflegebegriff künftig neu definiert. Pauschale Zusatzbeiträge wurden mehrheitlich abgelehnt, ebenso die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge.
(rw)