DGVP wertet Vorwürfe der Krankenkassen als Stimmungsmache
DGVP wertet Vorwürfe der Krankenkassen als Stimmungsmache
Foto: by_nicolas
31.08.2011
Die Deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten DGVP hat mit deutlicher Kritik auf die Äußerungen der GKV reagiert, die Apotheken und Krankenhäuser in den vergangenen Tagen mehrfach falscher Abrechnungen bezichtigt hatten. Die DGVP sieht in den pauschalen Vorwürfen eine Stimmungsmache der Krankenkassen gegen Apotheken und Krankenhäuser.
Einseitige Vorwürfe im Eigeninteresse der Kassen
Nach Einschätzung von DGVP-Präsident Wolfram-Arnim Candidus schießt die GKV mit den gegen Leistungserbringer erhobenen Vorwürfen der Falschabrechnung sowie des Abrechnungsbetruges weit über ihr Ziel hinaus. Dies sei ein Versuch der gesetzlichen Krankenkassen, Druck auf die Anbieter von Leistungen in der ambulanten und stationären Versorgung auszuüben. Die von den Krankenkassen an die Medien übermittelten Informationen sind laut DGVP einseitig und dienen allein dem Eigeninteresse der Kassen, nicht aber der Aufklärung eventueller Missstände. Besonders kritisiert wird auch die pauschale und undifferenzierte Sicht auf Krankenhäuser und Apotheken insgesamt. „Schwarze Schafe“, die Regeln nicht einhalten, seien in allen Institutionen und Berufsgruppen zu finden. Darüber hinaus weist der Präsident der DGVP auch auf einen Umstand hin, der die jüngsten Diskussionen in einem anderen Licht erscheinen lässt als von den Krankenkassen dargestellt. Insider aus dem Bereich des Gesundheitswesens wüssten, dass es bei einem großen Teil der strittigen Abrechnungen um unterschiedliche Auffassungen zu medizinischen Fragen gehe. Die Krankenkassen beurteilten diese Fragen zum Teil anders als die Mediziner in den Krankenhäusern. Laut Candidus kläre man solche Fälle allerdings üblicherweise zwischen den Beteiligten „ohne jedes öffentliche Getöse“.
DGVP-Präsident Candidus sieht Politik in der Pflicht
Die jüngsten Vorstöße der gesetzlichen Krankenkassen und deren PR-Aktivitäten in diesem Zusammenhang seien vor allem unter dem Aspekt des Vermeidens von Zusatzbeiträgen von besonderer Bedeutung. Das Beanstanden von Rechnungen der Krankenhäuser sei für die Krankenkassen oftmals eine Möglichkeit, sich ohne Zustimmung der jeweils anderen Partei Lieferantenkredite zu beschaffen. Angesichts der jetzigen Situation sieht der DGVP-Chef die Politik in der Pflicht. Es müssen vermieden werden, dass es bei den Versicherten aufgrund der überzogenen und öffentlich vorgetragenen Angriffe auf Leistungserbringer beziehungsweise deren Abrechnungsverhalten zu Verunsicherung und zu einem Vertrauensverlust komme. Candidus plädiert daher für eine Ermahnung des GKV-Spitzenverbandes durch die Politiker.
(fs)