Der Besuch beim Zahnarzt wird nächstes Jahr teurer
Der Besuch beim Zahnarzt wird nächstes Jahr teurer
Foto: shironosov istock
26.09.2011
Die Honorare für Zahnärzte sollen zum 1. Januar 2012 um sechs Prozent angehoben werden, dies hat das Bundeskabinett mit der „Änderung der Gebührenordnung für Zahnärzte“ (GOZ) beschlossen. Die GOZ wurde seit 1988 nicht verändert.
GOZ-Änderungen nach 23 Jahren
Die Gebührenordnung für Zahnärzte gilt für alle Zusatzleistungen, die von den gesetzlichen Kassen nicht übernommen werden und die der Patient bezahlen muss. Laut Bundesgesundheitsministerium war dies notwendig, um „eine indikationsgerechte Versorgung abzubilden und eine klare Abrechnungsgrundlage zu schaffen“. So tauchen in der GOZ von 1988 beispielsweise Kunststofffüllungen noch gar nicht auf. Da sich die Zuzahlungen verteuern, will das Bundesgesundheitsministerium mehr Transparenz für den Patienten schaffen, indem die Zahnärzte verpflichtet werden, bei absehbar hohen Kosten dem Patienten einen Kostenvoranschlag zu unterbreiten.
Zustimmung des Bundesrats ist ungewiss
Ob die Änderung zum 1. Januar 2012 auch so umgesetzt wird, hängt nicht zuletzt vom Bundesrat ab, der dieser neuen Gebührenordnung in einer seiner nächsten Sitzungen zustimmen muss, was allerdings wegen der Mehrheitsverhältnisse noch nicht sicher ist. Schon heute müssen Patienten zwei Drittel der Kosten der möglichen Behandlungen selbst bezahlen. Die Kassen zahlen lediglich die sogenannte Regelversorgung, die als zweckmäßig, wirtschaftlich und ausreichend definiert wurde. Weiße Keramikkronen beispielsweise gehören nicht zur Regelversorgung und werden von Zahnärzten nach der GOZ abgerechnet.
Private Krankenkassen warnen vor Kostenexplosion
Für Patienten und Kassen bedeutet die Änderung der GOZ, dass die Behandlungskosten ab dem kommenden Jahr steigen werden. Vor einer echten Kostenexplosion warnen zwischenzeitlich die privaten Krankenversicherer. Basis für diese Befürchtungen sind eigene Berechnungen, die von einer Kostensteigerung von bis zu 20 Prozent ausgehen. Laut dem Verband der privaten Krankenversicherungen (PKV) gibt es keinen Grund, die Honorare für Zahnärzte zu erhöhen. Nach Angaben des Verbandes haben sich die Ausgaben für Zahnmedizin innerhalb der vergangenen zehn Jahre ohnehin um rund 36 Prozent erhöht. Kritik kam auch seitens der SPD. Der Thüringer Bundestagsabgeordnete Steffen-Claudio Lemme – Mitglied im im Gesundheits- und Petitionsausschuss - sprach von einer „einseitigen Belastung der Versicherten“ und warf der Bundesregierung mit ihrem FDP-Gesundheitsminister Bahr an der Spitze ein weiteres Mal Klientelpolitik vor. Im Gegensatz zu Lemmer bezeichnete Heinz Lanfermann, FDP-Gesundheitsexperte, die neue GOZ für alle Betroffenen als ausgewogen.
(ck)